Wall-E
Wenn eine kleine weiße Schreibtischlampe über die Leinwand hüpft und das »I« eines Firmenlogos platt stampft, weiß man sich die nächsten zwei Stunden bestens unterhalten. Denn das Maskottchen des kalifornischen Filmstudios Pixar ("Findet Nemo", "Die Unglaublichen", "Ratatouille") steht seit seinem ersten Auftritt in "Toy Story" (1995) für herausragende Animationsfilme – wegweisende Technik, liebevolle Charaktere und Geschichten, die alle Altersgruppen gleichermaßen ansprechen. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an Pixars neu(nt)en Film -- und sie wurden nicht enttäuscht.700 Jahre in der Zukunft ist die Erde entvölkert. Irgendwann sind alle abgehauen, mit einem riesigen Kreuzfahrt-Raumschiff davon gedüst und haben einen riesigen Müllberg hinterlassen. Um den kümmert sich Wall-E, ein kleiner Roboter, der tagein tagaus die leergefegte Welt säubert und einsam vor sich hin lebt. Doch das soll nicht so bleiben. Mehr möchte man an dieser Stelle nicht verraten, steckt "Wall-E" doch voller netter Charaktere und Überraschungen. Überhaupt ist es Pixar einmal mehr gelungen, einem Haufen Metall mehr Leben einzuflößen, als es anderen Animationsfilmen nicht mit dutzenden Figuren gelingen mag. Der kleine Roboter verzückt von der ersten Minute an durch seine Neugier, seine skurrile Freundschaft mit einer Küchenschabe und seinen Traum, mehr zu sein, als nur ein Recycling-Werkzeug. Vor allem der fantastischen Animation verdankt es der niedliche Blechbursche, dass es ihm trotz fehlender Mimik und Sprache nicht an Emotionen mangelt. Im Gegenteil: Selten konnte ich mit einer CGI-Figur so mitfühlen, mit ihr lachen, mit ihr trauern -- ein Kunststück!
Überhaupt, die Technik: Mit "Wall-E" setzt Pixar die Messlatte für künftige Animationen erneut ein ganzes Stück nach oben. Details, Beleuchtung, Kameraführung und Schnitt sind herausragend und dürften der zurecht erfolgsverwöhnten CGI-Schmiede im Frühling 2009 den siebten Oscar für einen abendfüllenden Animationsfilm bescheren. Insbesondere das ein wenig an "I am Legend" erinnernde Endzeit-Szenario in der ersten halben Stunde ist den Designern hervorragend gelungen und sieht täuschend echt aus. Dass man trotzdem keine übersteigerte Realismus-Optik zu befürchten hat, verdankt "Wall-E" seinen comichaft gestalteten Charakteren, der Slapstick-Action und reichlich bunten Effekten – eine grafische Gratwanderung, die Pixar vorbildlich meistert.
Aller Technikspielereien zum Trotz ist es dennoch die Geschichte, die einen Film trägt. Auch hier macht "Wall-E" alles richtig und schickt seinen blechernen Protagonisten in ein ebenso temporeiches wie interessantes Abenteuer -- Leerlauf gibt’s in den über zwei Stunden Spielzeit keinen. Mit besonderem Augenzwinkern betrachtet Pixar dabei die Menschheit, wie sie in 700 Jahren existieren könnte: fett, aufgedunsen und nicht mehr fähig, selbstständig zu laufen, bewegen sich die zu faulen Medienkonsumenten mutierten Menschen in schwebenden Fernsehsesseln durch die Gegend und lassen sich von Robotern bedienen – eine nicht ganz subtile Gesellschaftskritik (an der westlichen Welt), die Pixar mit viel Humor zu präsentieren weiß, weshalb "Wall-E" lockere Unterhaltung bleibt, ohne gleich zur Lehrstunde zu verkommen.
Kurzum: Pixar wird mit jedem Mal besser. Schon "Ratatouille" hat als erster Animationsfilm zu Recht eine Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch bekommen. Warum? Weil die Kalifornier trotz aller Technik-Meilensteine stets Wert auf gute Geschichten legen und ihre Filme mit Liebe und Leben zu füllen wissen. "Wall-E" ist hierbei ein Paradebeispiel und sollte Fließband-Projekten wie "Shrek 3" oder "Madagascar" eine Lehre sein. Ein hervorragender Film, optisch wegweisend, temporeich und mit viel Humor erzählt -- ein launiges Abenteuer für Jung und Alt. Gibt von mir fünf von fünf Danis.Labels: Filme


11 Comments:
Shrek 3 und Madagascar hab ich als Kinderfilme abgetan, da mir schon die Trailer überhaupt nicht gefallen haben. Aber Wall-E scheint ja einen Blick wert zu sein und wird wohl so der erste(?) Animationsfilm sein, den ich mir GANZ anschaue ^^
ja Pixar ist schon super. Nur "Himmel und Huhn" fand ich nicht so dolle.
Aber "Wall-E" finde ich sehr Ansprechend merke ich mir vor;-)
Aber was was soll mit "madagascar" sein? Ich finde den lustig^^
Ich persönlich fand Madagascar besser als Ratatouille. War halt lustiger, ist aber sicher Geschmackssache.
Egal, auf Wall-E freu mich jetzt umso mehr ;)
Noch so lange warten, bis der kleine Knilch bei uns in den Kinos "aufräumt". :(
@anonym: Himmel und Huhn war nicht von Pixar, sondern Disneys kläglicher Versuch, ohne ihre Hitschmiede einen Animationsfilm zu machen.
Ich kann's kaum erwarten, bis der endlich in die Kinos kommt.
Deutschland 25 September 2008
Switzerland 2 Oktober 2008 (German speaking region)
Da bekommen wir ja sogar Dark Knight früher zu sehen.
@stephan: ja, das ist echt krass. Und war bei Ratatouille auch schon so. Keine Ahnung, was das soll. Gegen die Raupkopiererei hilft das auf jeden Fall nicht.
naja, aber Madagaskar fand ich persönlich schon gut
Klar, "Madagaskar" war "gut", weil er recht witzig war, aber auch anspruchslos mit wenig Blick für Details und auch kein Film der der neue Maßstäbe setzt. Wie Daniel schon treffend schreibt eben von der Stange produziert ;)
lg
Hab mir den fantastischen Film auch vor ein paar Wochen als Telesync (Quali ging in Ordnung, im Kino wärs aber natürlich besser gewesen) angeguckt und werde ihn sicherlich nochmal in 720p schauen.
Wieso man den Film, bei den wenigen Textpassagen, nicht zeitgleich in Deutschland ins Kino bringen kann ist allerdings mehr als fraglich.
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