Call of Wayne
Ich bin jetzt ausnahmsweise mal kein GameStar-Redakteur, sondern ein höchst subjektiv formulierender Fan eines Spiels. Oder vielmehr einer Serie, die -- wie ich finde -- gerade den Bach runter geht. Die Rede ist von "Modern Warfare", das morgen in die dritte Runde geht. Beim Spieleladen meines Vertrauens konnte ich den heiß erwarteten Shooter bereits am Freitag erstehen und übers Wochenende durchspielen. Keine Überraschung: Auch das neueste "Call of Duty" dauert gerademal fünf bis sechs Stunden. Doch das ist es nicht, was mich so auf die Palme bringt.
Wie meine Kollegin Petra finde ich, dass es die Belanglosigkeit ist, mit der "Modern Warfare 3" seine Geschichte erzählt. Da ballern die bösen Russen Amerika und halb Europa zu Klump, und mir geht es gelinde gesagt am A vorbei. Warum? Weil mir das Spiel zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gibt, dass ich an der Situation überhaupt irgendetwas ändern könnte. Stets laufe ich nur anderen Soldaten hinterher, niemals darf ich etwas tun, was für die Mission wichtig oder gar entscheidungsträchtig wäre. Im Gegenteil: Am Ende jedes zweiten Auftrags läuft etwas schief. Entweder geht eine Bombe hoch oder eine entführte und schließlich aufgespürte Person wird vor meinen Augen nochmal entführt. Soll das die Aussichtslosigkeit der Lage verdeutlichen? Bei mir sorgt das eher für ein unbefriedigendes »Warum mache ich all das überhaupt«- Gefühl. Zumal das Programm mit erschreckender Lieblosigkeit und mangelnder Logik zwischen den Hauptfiguren hin- und herhüpft und ihnen bisweilen Charakterzüge verpasst (Captain Price!), dass ich die Lust verliere, solche Typen überhaupt zu spielen.
Gut, Story und "Call of Duty", das passte mit Ausnahme von "Black Ops" ja noch nie so wirklich zusammen. Dann konzentriere ich mich eben auf die Spielmechanik: das Ballern, die Action, der pompöse Michael-Bay-Kawumm. Um abermals enttäuscht zu werden. Ja, Infinity Ward legt unter anderem London, Paris, Berlin und Hamburg in Schutt und Asche. Ja, es fliegen mehr Helikopter und Panzer in die Luft, als in allen bisherigen "Call of Dutys" zusammen. Allerdings verpufft das lauteste Spektakel zum austauschbaren Dauerrauschen, wenn es an Höhepunkten fehlt. Wo sind die denkwürdigen Momente, wie wir sie aus dem ersten "Modern Warfare" kennen? Die hochgradig spannende Sniper-Mission in Pripyat zum Beispiel oder der Atomschlag, von dem ich bis heute eine Gänsehaut habe? Selbst der in dieser Hinsicht bereits schwächelnde zweite Teil hatte noch den einen oder anderen Aha-Effekt zu bieten.
"Modern Warfare" hat sich überlebt. Die Serie tritt sein Jahren auf der Stelle und wird es auch weiterhin tun, wenn sich das Spiel -- wovon auszugehen ist -- wieder wie geschnitten Brot verkauft. Wäre ich Activision, ich würde es genauso tun. Wenn sich aber nicht bald etwas tut in "Call of Duty", war es das letzte Geld, das ich für die Shooter-Reihe ausgeben werde.
Ich geh jetzt wieder "Batman: Arkham City" spielen. Da merkt man wenigstens, mit wie viel Hirn, Herzblut und Liebe zum Detail gearbeitet wurde.
Labels: Spiele


7 Comments:
Ich bin seit Call of Duty 4 dabei und war Fan. Allerdings ging es ab dem Teil dann auch bergab. Die Treytech-Teile fand ich alle nicht so doll und habe auch die Multiplayer nicht sehr gerne gespielt. Dann kam im Multiplayer-Part der Mist hinzu, dass die Spieler Host sind und dass gegen die aufkeimende Cheaterwelle nix unternommen wurde.
Auch die Solomissionen bleiben bei dem Motto "Schlauch entlang laufen und dor einen Punkt überqueren, dass keine Gegnerwellen mehr nachkommen".
Das wird jetzt das erste CoD, das ich mir nicht mehr kaufen werde, auch wenn ich die Jungs aus meiner Montagsdaddelrunde, die immer die neuste Version spielen, vermissen werde.
Ich habe mich aber die letzten Teile immer so geärgert, dass ich diesmal konsequent bleibe. Alleine deswegen, dass die Preisschraube nochmals angezogen wurde und noch ein extra-Bezahlpaket eingeführt wird. Ich muss zwar nicht auf den Groschen achten, aber ich will auch nicht ausgequetscht werden, um den Hersteller das Gefühl zu geben, dass man mit weniger Aufwand nochmehr Geld aus dem lieblos hingeworfenen Fraß rausgeholt werden kann als beim schon dreisten Versuch ein Jahr zuvor.
Ich habe nach dem ersten Modern Warfare das Interesse an Call of Duty verloren. Die Teile danach waren in meinen Augen immer nur noch mehr Krawall noch mehr Kawumm (quasi der Weg, den Hollywood eine Zeitlang eingeschlagen hatte)
Und zum Thema Gamestar: Dieser Blogeintrag würde sich doch wunderbar als Kommentar im Heft geben. =) Es wäre ein Schritt in eine Richtung die ich gut heißen würde. ;)
LG
Ganz ehrlich, ich habs mir nur wegen der Coop Missionen geholt. Der Singleplayer is ne nette Dreingabe und auf den Multiplayer pfeif ich. :)
Ich war schon kein großer Fan von CoD4, den Singleplayer fand ich großteils öde (auchw enn ein paar nette Missionen dabei waren) und der Multyplayer ist für jemanden wie mich, der schon mit CS nix anfangen konnte, sondern eher auf Taktikshooter alá BF, ET:QW, Brink, & Co steht sowieso Müll
CoD5 hatte ich damals eine ganze weile auf der Wii gespielt udn als sehr spaßig empfunden, alles, was dann kam war und ist mir vollkommen egal, langweiliger Singleplayer, langweiliger Multyplayer- nur für Coop kaufe ich ein (auch noch so teures) Spiel nicht.
Man könnte ja vermuten, dass hier eine realistische Aussage über die Bedeutung des Soldaten im Krieg getroffen werden soll, dessen einzelnes Handeln und Leben kaum den Krieg beeinflussen wird. Ein "So ist der Krieg, nur unpersönliche Zerstörung".
Dann hingegen denkt man noch einmal kurz daran, dass es Call of Duty ist, und weiß, dass einfach nur jemand Mist gebaut hat.
Es ist ein Hollywood-Action-Spiel, und darin retten natürlich Helden die Welt und gewinnen den Krieg im Alleingang...
Ich finde das eine generelle Inhaltsarmut bei heutigen Spielen vorhanden ist (neben einigen Perlen). CoD ist da natürlich das Paradebeispiel. Aber, lieber Daniel, kann das nicht auch damit zusammenhängen, dass unter anderem die Gamestar seit Jahren der Grafik und somit dem technischen Teil eines Spiels mehr Aufmerksamkeit schenkt als der Story eines Spiels? Ich meine momentan wird in eurem Heft selbst ein Adventure wie "Harveys neue Augen" schlechter bewertet weil die Auflösung nur 4:3 ist (ich glaube das war der Grund, lasse mich aber auch eines Besseren belehren). Das Problem ist, das die Spieledesigner über so lange Zeit versucht haben den grafischen Anforderungen der Konsumenten gerecht zu werden (bestärkt durch gerade auch eure Kritiken), dass der Inhalt von Spielen in den Hintergrund getreten ist. Und wenn jetzt die Gamestar-Redaktion die Story bemängelt, dann macht es richtig und bringt das auch zu den Designern, damit sich was ändert.
Gruß ich
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