Redakteur vs. Entwickler
Wertungen zu Spielen werden nie nie nie vor der Drucklegung an die Publisher oder Entwickler heraus gegeben. Die Gründe liegen auf der Hand. Nichtsdestotrotz bin ich stets gern bereit, den Jungs am Telefon oder per Mail Feedback aus meinen Testerlebnissen zu geben. Vor allem, wenn das Spiel (überraschenderweise) enttäuscht. So wie es letzte Woche ein nicht näher genannter Titel getan hat.
Das größte Problem besagten Spiels: Es will laut Aussage des Entwicklers einsteigerfreundlich sein und sich einer Zielgruppe öffnen, die mit der Serie bislang nichts anfangen konnte. Ein toller Plan, der spektakulär scheitert, denn das Programm hat eine geringe Fehler-toleranz, setzt auf das "Probieren & Scheitern"-Prinzip, hat eine unausgereifte Steuerung und schreit auch sonst an allen Ecken und Enden danach, dass nur frustresistente Freaks Spaß daran haben dürften.
Die verantwortliche PR-Managerin gab mein Feedback an den Entwickler weiter. Die Antwort:
"Ich kann dazu nur sagen, dass man in den ersten drei Missionen gut ins Spiel reinkommt und es danach kniffliger wird. Dass man danach einige Missionen als Anfänger nicht im ersten Anlauf schafft, sollte eigentlich eher motivieren, es nochmal in Angriff zu nehmen, als demotivieren. Ein Spiel, das man als Anfänger in einem Rutsch (ohne zu irgendwo zu Scheitern) durchspielen kann, fliegt danach erfahrungsgemäß in die Ecke."
Tja. Ein perfektes Beispiel, in welcher illusorischen Traumwelt so mancher Entwickler lebt. Frust soll motivieren? Scheitern zum Weiterspielen anregen? Das mag für manche Hardcore-Zocker zutreffen, nicht jedoch für die Mehrheit der Spieler da draußen. Vor allem nicht für Einsteiger, die laut Aussage des Entwicklers zur Hauptzielgruppe gehören sollen. Wer behauptet denn, dass ein Spiel "in einem Rutsch" durchgespielt werden soll? Herausforderungen zu stellen, die nicht frusten, aber auch nicht zu leicht sind, ja das macht eine gute Spielbalance aus. Wahlweise helfen auch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Denn damit würde man sowohl die Neulinge als auch die Serienveteranen ansprechen. Aber die bietet das Programm ebenfalls nicht.
Ich freue mich schon auf das nächste Gespräch, das nach dem Erscheinen des Hefts (und damit der Wertung) sicher folgen wird.
Labels: GameStar


22 Comments:
Kleiner Irrtum: Du lebst genauso in einer Traumwelt. Du kennst alle Titel zum Thema, du mußt diese innerhalb kürzster Zeit durchspielen. Damit bist Du als Autor für einen Test für Neulinge verbrannt. Ich als Gelegenheitsspieler lese mich jedenfalls lieber durch die Amazon bewertungen und Blogs durch - bei Gamestar & co. überfliege ich höchstens den Wertungskasten.
Die Frage ist doch eher, wo da die richtige Balance zu finden ist. Ist das Spiel zu schwer, fällt es für Anfänger sicherlich leicht es einfach sein zu lassen.
Ist es zu leicht, fliegt es aber wirklich genauso in die Ecke, da man sich nicht darauf konzentrieren musste und es sich nicht einprägt.
Ich bin jetzt jedenfalls gespannt, welcher Titel einer bestehenden Serie das jetzt sein soll. Spontan fällt mir da nichts bald erscheinendes ein...
@gnu: Ach du meinst die Amazon-Kommentare, die nur ein Stern geben wegen rigider Kopierschutzmaßnahmen, weil jemand die Serie generell blöd findet oder weil es im anonymen Internet so einfach ist, den polternden Forentroll zu spielen? ;)
@Daniel: oder 5 Sterne, weil der Vorgänger klasse war und nun der nächste Teil natürlich auch klasse wird. :D
Ich finde es immer wieder lustig, wenn Leute sagen, dass sie mit den Wertungskästen mehr anfangen können, als mit dem Artikel.
Es liegt wahrscheinlich an mir, aber ich hatte genug Spiele, mit einer 90er-Wertung, die mir in keinster Weise gefallen haben.
Mir helfen die Artikel immer viel weiter, weil ich bei der Gamestar viel zwischen den Zeilen lesen kann. Besser als bei anderen Zeitschriften. Daraus kann ich gut schließen, welche Spiele mir gefallen und welche nicht.
Ein Dank dafür an die gesamte Redaktion. ;)
@anonym
naja, inzwischen kann man ja nicht mehr vor Release bewerten, das reicht ja schonmal für dne Anfang um allzuviele 5 Sterne Rezessionen zu verhindern...
@Daniel
joar, das mit dem Kopierschutz und genereller Ablehnung ist immer doof bei Amazon, aber die schlechten Kritiken dort beinhalten häufig mehr wahrheiten wie die Hochjubler (aka PR - virales Marketing :P)
Aber ich stützte mich auch lieber auf fundierte Tests, hab ja nicht umsonst nen Abo, aber gehöre ja auch noch, trotz Arbeitsleben, eher zu den Core Gamern, die das ganze Casual Zeug nichtmals mit dem Hintern anschauen ;-)
Ich frag mich auch, welches Spiel das sein soll^^
Fallout New Vegas kanns ja schonmal nicht sein, bietet schließlich aller Wahrscheinlichkeit nach mehrere Schwierigkeitsgrade und noch den Hardcore-Modus, das neue möchtegern "Gothic" kommt auch nicht in Frage, Civ Test ist schon erschienen, hmm.^^
Ach, keine Ahnung, Daniel, lös bitte auf :D
hört sich an, als schätzte dein geschätzter Gesprächspartner beim Publisher das Spiel vor allem gründlich falsch ein. Denn gegen das, was sie dir da wörtlich geantwortet hat, gibt es nichts einzuwenden. Nur deckt sich das wohl nicht mit dem Spiel und Dinge wie gute Steuerung und faires Speichern sollten nichts mit dem Schwierigkeitsgrad zu tun haben. Ich persönlich finde allerdings viele Spiele heutzutage zu leicht sind und dass diese auf jeden Fall unterschiedliche Schwierigkeitsgrade benötigen.
Vielleicht Emergency 2? Würde zumindest passen.
Einen €uro kriegen für jedes Mal, wenn ich bei Amazon "Rezession" lesen muss. Das wär' was.
Zwinker @ Unlogicial
@Jonas
Das könnt tatsächlich stimmen, emergency 5 oder 2010 oder so kommt ja jetz raus oder?
Sorry, meinte natürlich Emergency 2012
meine es ist ein 4-ter Teil einer Rollenspielserie, von Jowood.
@Alex
Der Test Ost schon erschienen, und zwar auf gs.de.
Dann hätte Damiel es nicht extra so geschrieben.
Also als "Otto-Normal-Zocker" fliegen bei mir eher Sachen in die Ecke wenn der Frustfaktor zu groß wird.
Dass die Entwickler in einer tollen Traumwelt leben, seh ich grad an F1 2010, bei dem die Entwickler vermutlich nie das Reglement oder auch nur ein Rennen der Formel 1 gesehen haben.
@Daniel: Nö, ich werte aus, was die Leute sonst so schon kommentiert haben und ob dies mit meiner Bewertung der Titel übereinstimmt. Ja, macht ein wenig Arbeit, aber ist mir lieber, als wenn mir bei einem "professionellen" Test quasi fertiger Babybrei präsentiert wird, von einem Koch mit ganz anderem Geschmack.
Und ich spiele immernoch altmodisch Demos an - so sie veröffentlicht werden - oder warte auf die Meinungen einiger vertrauensvoller Kumpel. Und manchmal hat mein Blindkaufgefühl recht (SC:C, ME2). ^^
Und der freundliche Mann am Bahnhofskiosk hält einen nicht auf, wenn man beim Magazin nur eben den Wertungskasten sieht. Zur Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich für Previews auch teilweise noch kaufe. ^^
Bei mir fliegt ein spiele in die ecke wenn ich es ncht in einem Rutsch auf easy durchspielen kann.
Ich will unterhalten werden, und das ohne frust oder ständiges rumprobieren. Einen film fang ich doch auch nicht 3 mal von vorne an weil er so unverständlich ist. Mein Aufruf an die Spielehersteller: LEICHT sollte wirklich leicht sein, d.h. sich unterhalten lassen vom spiel, nicht frusten. Wer dennoch nicht ausgelastet ist kann ja einen höheren Schwierigkeitsgrad wählen. Mut zur leichtigkeit.
Regards
Ron
Ich habe keine Ahnung, um was für ein Spiel es sich handelt - deshalb ist das hier keine konkrete Meinung zum Einzelfall - , würde aber der Marketing-Dame nicht generell widersprechen wollen.
Herausforderungen sollten zu meistern sein, aber immer im ersten Versuch? Sind es dann überhaupt noch Herausforderungen?
Wäre es nicht eher Aufgabe kreativer Entwickler, dafür zu sorgen, dass auch gelegentliche Rückschläge als Motivation wahrgenommen werden? Sicher nicht immer einfach, aber auf diesem Prinzip beruhen immerhin fast alle Abenteuerfilme/-bücher (Stichwort: Die gute, alte 'Heldenreise')
Mir jedenfalls geht die zunehmende Bloß-nicht-zu-schwierig-machen-Manie schon lange gehörig auf den Senkel. Demnächst gibt es noch "Achievements" dafür, dass jemand das Spiel gestartet hat. Halt, eigentlich ist es bei manchen Spielen schon lange so weit.
Klar, Spiele sollten möglichst keine Stelle enthalten, an der man im leichtesten Schwierigkeitsgrad wirklich hängenbleibt, aber die momentane Realität ist ja oft eher das Gegenteil. Leicht und Mittel spielen sich als schaue man einen Film. Das wäre nicht schlimm, wenn dafür nicht fast immer so viel aus dem Spiel herausgenommen würde, dass auch die höheren Schwierigkeitsgrade keinen Spaß mehr machen.
Man mag es für sehr arrogant halten, aber ein Adventure, Rollen- oder Strategiespiel, das auch der letzte Sonderschulabsolventen noch als angenehme Freizeitbeschäftigung empfindet, erscheint mir nicht besonders erstrebenswert.
"das auch der letzte Sonderschulabsolventen noch als angenehme Freizeitbeschäftigung empfinde"
Armes Statement!
"Armes Statement!"
Danke für diese offene und ehrliche Bewertung. Sie hat mir meine schwere moralische Verfehlung vor Augen geführt. Ich gelobe Besserung, nie wieder werde ich etwas sagen, das irgend jemand auch nur im Entferntesten negativ auslegen könnte...
Mal ernsthaft: Sicher kann man das politisch korrekter ausdrücken, aber falls ich mir, nachdem ich eine ungebetene Ohrfeige erhalten habe, erlauben darf, einen ganz allgemeinen und ebenso ungebetenen Rat für den künftigen Lebensweg zu erteilen:
Nicht jede überspitzte Äußerung, die auf den ersten Blick so aussieht, als würde sie eine Minderheit (oder Mehrheit, oder überhaupt irgend jemanden) beleidigen, weist darauf hin, dass es sich beim Verfasser um ein Arschloch handelt, das unbedingt mit Kommentaren wie "Armes Statement!" zurecht gewiesen werden muss.
Manchmal handelt es auch einfach nur um eine überspitzte Äußerung.
Hey Daniel,
Ich hatte recht oder?
Du meintest den Test von Emergency 2012!
Ha, ich bin so gut!
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