Klischeedenken
Es ist ja nicht gerade die feine englische Art, ich tue es trotzdem: Menschen in Schubladen stecken. Vorzugsweise Menschen, die ich niemals kennenlernen werde. Die ich in der Fußgängerzone sehe, am Flughafen-Gate oder wie gestern in der "Noch 30 Minuten"-Ansteh-schlange einer Europapark-Achterbahn.
Da steht sie, die zierliche, wasserstoff-blondierte 18-jährige, die eine weiße Plüschweste mit Glitzersteinchen trägt und einen gerade von Papa geschossenen Papa-Schlumpf unter den Arm geklemmt hat. Sie richtet sich das Haar (vor der Fahrt!), lächelt verschämt, wohl ob des turbulenten Ritts, der gleich folgt. Ich suche die nähere Umgebung nach ihrem Freund ab, vermutlich ein Bodybuilder latein-amerikanischer Herkunft, zwei Köpfe größer und fünf Schultern breiter als sie, 6-Millimeter-Schnitt, Dolce&Gabbana-Sonnenbrille, sehe aber keinen, nur ihren kleineren Bruder, der mindestens genauso adrett und bonzig gekleidet ist wie Madame Schlumpf. Sie steigt ein, grinst labil und braust davon. Hoffentlich halten ihre Extensions.
Die Kleinfamilie. Papa, Mama, 16-jähriger Sohn, der alle um mindestens zwei Köpfe überragt sowie die kleine pubertierende Schwester, die mit einem "Ihr könnt mich alle"-Blick auf ihrem Nokia-Klapphandy rumdrückt. Zum besseren Erkennen in der Menge eines überfüllten Freizeitparks sind alle im Partner-Look gekleidet: formschöne, halbdurchsichtige Regen-Capes mit Euromaus-Aufdruck. Papa ist begeistert, knippst Bilder. Der Sohn erzählt seiner Mutter, wie hoch und wie schnell die Achterbahn "Euro Mir" ist, stößt dabei aber auf taube Ohren. Denn Frau Mama ist in den Parkplan vertieft, wohl auf der Suche nach der nächsten Toilette, die sie nach der Fahrt ganz sicher aufsuchen muss. Wetten, dass die vier so lange Leute vorlassen, bis sie sich alle gleichzeitig in einen Wagen zwängen können?
Arrogant, ignorant, und wenn gerade mal keiner hinschaut, wird sich unter der Absperrung durchgemogelt und so an den anderen, brav wartenden Fahrgästen vorbeigedrängelt. Ganz klar: Franzose. Eine Ausnahme? Weit gefehlt. Denn wenn sich junge Typen (und Mädels) gestern derart frech und respektlos verhielten, stammten sie ausnahmslos aus unserem Nachbarland Frankreich. Da wünschte man sich fast, dass der Europapark nahe England liegen würde. Die Briten haben wenigstens eine ausgeprägte Ansteh-Kultur.
Labels: Persönliches


7 Comments:
Tommies sind doch genauso scheiße wie Franzacken. :D
wilkommen im ortenaukreis. hier sind alle so. ist es in münchen besser?
an welcher achterbahn gabs 30 minuten?
Mein tipp: Wenn man schon morgens drin ist, sofort Poseidon fahren. Die hat Mittags meist ne Riesenschlange.
Der schwule Spieleredakteur, der glaubt, seine stinknormarmalen Erlebnisse in einem Blog der Welt präsentieren zu müssen und dabei nicht einmal davor zurückschreckt, 50 Jahre alte Cocktail-Rezepte als spannende Erfindungen zu verkaufen.
Der seltsame Vollnerd, dem Freitag nachts umd 1:40 Uhr nichts besseres einfällt, als Blogposts eines Spieleredakteurs mit Kommentaren zu versehen, die noch viel unnötiger sind als die Blogposts selbst.
usw.
Spaß beiseite: Jeder steckt andere in Schubladen, vermutlich kann das menschliche Gehirn andere Menschen gar nicht sortieren. Was man nie vergessen sollte: Sofern man jemanden nicht wirklich kennt, ist diese Einsortierung fast immer falsch. So richtig sie auch erscheinen mag, beruht sie eben doch vor allem auf eigenen Vorurteilen.
Selbst Madame Schlumpf hat sicher ihre liebenswerten Seiten. Und vielleicht ließe sie sich ja sogar noch retten, bevor sie ganz und gar von ihrer konsumgeilen Pseudo-Luxuswelt verschlungen wird.
Ach Daniel, du sprichst mir aus der Seele. Ich selbst wohne nicht alzu weit vom Europapark entfährnt und gehe mind. einmal im Jahr hin. Und wirklich jedesmal sind es Franzosen, die meinen sie hätten alle Rechte der Welt und alle anderen müssten sich ihnen fügen. So schön ich Frankreich als Land eigentlich finde, die Franzosen selbst kann ich einfach nicht leiden.
30min anstehen? Wahrer Luxus...wenn man 3 Stunden Anstehzeit beim Universum in Bremen und 2 Stunden Anstehzeit beim Kolossos im Heidepark gewohnt ist ;) Aber im Norden ist man ja ohnehin etwas geduldiger ^^.
Aber ich denke, Schubladendenken kommt immer vor, egal wie sehr man sich dagegen wehren möchte. Ich vollzieh auch des öfteren Schubladendenken, vorallem, wenn die gröhlende Dorfjugend um die Häuser zieht, Assi-Toaster-Bräute mich in "Bremerhaven-Ciy" mit einem SCH-Sprachfehler anpöbeln oder Miss Barbie von der nächsten Straßenecke sich angewidert unter den nächsten Unterstand vor dem Regen rettet.
Aber was solls. Wie soll man sich mitunter sonst die Langeweile vertreiben?
Ja, beim Schlange stehen kann man immer schöne Beobachtungen machen. Zu Deinem Pech brauchst bei der Gamescom ja nur mit Deinem Presseausweis zu wedeln und Schwupps biste drin. Unser eins steht in der Schlange und beobachtet. Zum Beispiel die Nerds, die sich mit einem Messebabe fotografieren lassen. Da stellt sich schon die Frage, wer mehr Kinder produzieren wird; der Nerd oder die Blondierte mit ihrem Bodybuilder?
Evolution kann schon hart sein.
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