Ignoranz ist ein Segen
Es ist Wochenende. Ein schönes Wochenende. Blauer Himmel, Sonnenschein, angenehme Temperaturen. Wir haben ausgeschlafen, ausgedehnt gefrühstückt, uns auf dem Balkon gesonnt und bei einem Glas Sekt mit Johannisbeer-Sirup gegenseitig Charlotte Roches neues Buch "Schoßgebete" vorgelesen (ja, ich weiß: was für ein Klischee!).
Und das an einem solchen Tag. Wo die ganze Welt mal wieder im Einklang an ein -- ja! -- tragisches Ereignis erinnert. Mit allem was dazu gehört: ausgelutschten TV-Dokus, reißerischen Cover-Motiven berüchtigter Lokalzeitschriften und Schweigeminuten in der Kirche um die Ecke.
Ist es respektlos, wenn ich mich nicht dazu geselle? Wenn ich diesen Jahrestag ignoriere? Wenn ich nicht wie scheinbar jeder sonst etwas dazu schreibt?
Verdammt, jetzt hab ich's ja doch getan.
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22 Comments:
Ach, ich habs auch ignoriert. Hab das Wetter für ne Spazierfahrt genutzt. :)
Ich würde sagen das ist ignorrant.
Tausenden Menschen wurde einfach das Leben genommen. Sie hatten Pläne wie du und ich - wollten sich verlieben, in den Urlaub fliegen, Kinder kriegen usw.
Aber all das können sie nicht mehr tun weil ihnen die Entscheidung abgenommen wurde ob sie leben dürfen oder nicht.
Jetzt stellt sich hier ein Daniel her, fühlt sich ach so gequält davon das an EINEM Tag im Jahr die Medien und Kirchen diesen Vorfall zum Hauptthema nehmen und du fühlst dich davon "belästigt".
Ja lieber Daniel DAS ist respektlos und deine Zeilen vor allem gefühls-, pietätslos.
Grüße,
Martin
Finde ich auch, zu schreiben wie man genau DIESEN Tag mit Sekt und guter Laune beginnt ist nicht angebracht, man kann dieses Ereigniss natürlich ignorieren, aber dann darüber zu schreiben wie man selbiges tut ist einigermaßen taktlos und unüberlegt. Dann lieber garnichts dazu schreiben.
Naja...
Ich habe keine Sektflasche aufgemacht, um diesen Tag zu feiern, wie es hier offenkundig verstanden wurde. Eher bin ich diesen Tag angegangen, wie man einen sonnigen Sonntag angehen sollte. Ihn genießen. Ungeachtet eines Jahrestages, dem ich bereits neun Jahre zuvor genug Aufmerksamkeit geschenkt habe.
Zudem biedert es mich an, wie viele Fernsehsender und Zeitungen (und über genau die habe ich geschieben), dieses Ereignis immer und immer wieder für ihre Zwecke ausschlachten. DAS ist respektlos.
Vermutlich widert es Dich an, aber ansonsten verstehe ich Deine Haltung.
Zum Einen ist es nicht nur ein Tag, vielmehr wird ja schon seit Wochen in sämtlichen Medien das Thema durchexerziert, zum Anderen frage ich mich ja auch, wieviele, die am 9. September vor Betroffenheit Schnappatmung kriegen, denn all der anderen Toten in Folge dieses Tages gedenken. Und nein, das waren beileibe nicht nur irgendwelche Gotteskrieger, die ihr Hirn abgelegt haben, als sie in den heiligen Krieg zogen.
Gerade als homosexueller Mann sollte man weniger ignorant und mehr tolerant sein. Sonst kann einem da ein ganz fieser Wind entgegenwehen.
Da muss ich wohl Daniel Recht geben, den Medien geht es in keinster Weise um Anteilnahme oder sonstwas, es ist einfach nur alles willkommen, was Verkaufs- und Zuschauerzahlen steigert. Punkt.
Und es stimmt auch, dass mit Sicherheit jeder vor 10 Jahren absolut schockiert und getroffen gewesen ist und diese Stimmung auch noch viele Monate und Jahre danach im Stillen weiterlebt. Aber kann man es nicht gerade deswegen auch wie Daniel halten und sich jedes schönen Moments im Leben einfach nur erfreuen? Würde man allen Menschen gedenken, die täglich gegen ihren Willen ihr Leben verlieren, hätten wir schlicht nichts mehr von unserem eigenen. Und sollte jemand behaupten, dass dies vor 10 Jahren nun für immer eine besondere Behandlung verdient, der kann sicher auch verraten, weßhalb die tausenden Toten in anderen Teilen der Welt nicht die gleiche Anerkennung bekommen? Die meisten antworten sicher im Geiste: "Na weils nich im Fernsehen lief..".
In diesem Sinne sollte man doch lieber sein Leben genießen so oft man kann, die Arbeit und sonstige Pflichten im Leben hindern einen schon genug daran. :)
Grüße, Dave
Schon interessant wie anonym die Ankläger hier grade sind... bad show, old chap.
Jedes Jahr sterben mehr Menschen weltweit durch Schusswaffen, Mangel an Trinkwasser, Autos, Hunger, die Liste liesse sich noch ziemlich lange fortführen, als bei 9/11 gestorben sind... und keiner interessiert sich dafür, an den entsprechenden Tagen sieht man nicht so ein geballtes Medien"interesse" für diese Toten. Diese Ausschlachtung der Opfer dieses einen Ereignisses ist ignorant und unangebracht. Sich des Lebens zu freuen und jeden Tag zu geniessen hingegen nicht.
Interessant in dem Zusammenhang, dass gerade die anklagendsten Kommentare von Leuten kommen, die nicht mal mit ihrem Namen (bzw. Nick) für das Geschriebene stehen. Aber vielleicht können die Analonyumsse ein paar Fragen beantworten:
- Frage an Analonymus Nummer 1: An welchem Tag ist das Genießen des schönen Tages dann möglich? Wenn ich mich nicht täusche, würde sich für jeden der 365-366 Tage eines Jahres ein historischer Moment finden lassen, wo sich etwas ähnliches oder noch viel schlimmeres ereignet hat (im Irak wird man da eine Reihe von Terminen nennen können, die in den letzten 10 Jahren Invasion so aufgekommen sind).
- Frage an Analonymus Nummer 2: Ist das Recht auf freie Meinungsäußerung in letzter Zeit entfernt worden? Hat dich jemand gezwungen, den Text zu lesen?
- Frage an Analonymus Nummer 3: Inwieweit ist es eine Form von Ignoranz, wenn man beim Thema 9/11 nicht die Betroffenheitsschiene fährt, sondern den Tag so verbringt, wie es sich für einen der letzten schönen Tage des Jahres 2011 gehört? Was hat das ganze mit Toleranz zu tun, bzw. warum ist es ein Mangel, wenn man die anderen ihr Zeug durchziehen lässt, während man sich selbst aus der Sache raushält?
- Weitere Frage an Analonymus Nummer 3: Verstehe ich das richtig: Homosexuelle müssen brav und tolerant bleiben, sonst haben sie selbst keine andere Behandlung verdient? Das deckt sich nicht ganz mit meinem Verständnis von Toleranz, eher mit einem notdürftig mit einem Deckchen Zivilisation überdeckter Hass auf Andersdenkende oder -orientierte.
Nicht schlimm, aus humaner Sicht. Die wenigsten wissen, dass im vergleich zu den 3000, die am 11. September gestorben sind, täglich 10mal soviele Leute, also 30000, verhungern.
Natürlich ist es völlig egal, was man als Nicht-Betroffener am 11.09. tut.
Man sollte nur, und das meine ich ehrlich, nicht damit kokettieren daß es einem völlig schnuppe ist, ansonsten bekommt man eben Kommentare.
Andere Beispiele:
"Heute ist der Jahrestag der Reichsprogromnacht und ich war ordentlich feiern!"
"Heute vor 55 Jahren war der 2. WK aus und ich habe stattdessen Blumen geplfückt !"
etc etc.
Einfach mal nicht alles posten, was man denkt ...
@anonymer Vorposter: Vielen Dank! Du hast die ganze Thematik sehr gut auf den Punkt gebracht.
Daniel hätte mal lieber nix gepostet als diesen "ich-bin-so-cool-weil-mich-das-ganze-9/11-thema-so-nervt" - Blödsinn.
Ganz genau. Weniger ist oft mehr. Daniel mochte ich immer als Redakteur und seinen Blog auch. Allerdings wird er mir immer unsympathischer.
@Steffen: Geht mir genau so. Mir wird er auch immer unsympathischer. Aber so wie er neulich die Pia angefahren hat, hat bei mir das Fass zum überlaufen gebracht. Arroganter Einfaltspinsel!
@Martin: Ich habe Pia nicht angefahren. Ich habe sogar geschrieben, dass es KEIN persönlicher Angriff ist. Wer das nicht gelesen hat und/oder nicht versteht, kann mich dann gern als arrogant bezeichnen. Jedenfalls beleidige ich in anderleuts Blog niemanden, so wie du das getan hast. DAS ist arrogant.
@anonym: Du hast offenbar meine Intention des Textes falsch verstanden. Anders Lothar. Du kannst ja gern mal seinen Kommentar lesen. So ist und war mein Blog-Beitrag gemeint.
Interessant, was hier manche Leute hineinlesen.
Faktenmäßig steht doch vor allem drin:
- Daniel hatte einen schönen Vormittag
- Das Ereignis vor 10 Jahren war tragisch (!)
- Die Art, wie die Medien es aufgreifen, findet er geschmacklos
Ja, es war natürlich nicht notwendig, das zu posten, aber es spricht auch nichts dagegen, besonders im eigenen Block, der ja oft vom Leben des Schreibers handelt.
Wird jeder, der sich nicht theatralisch in Asche zu Boden wirft und den ganzen Tag dem Medientheater folgt schon geächtet?
Oder geht es hier um etwas ganz anderes?
Jeder liest das, was er lesen will. Nichts neues.
Was die Amerikaner draus machen in den Medien ist etwas zu viel des Guten. Trotzdem finde ich, könnte man sich dann so einen Blogeintrag einfach sparen und nicht provozieren. Nur meine Meinung.
worüber streitet ihr? ich hab ab dem namen "charlotte roche" aufgehört zu lesen :P
Ich finde es komisch dass das Thema immer noch so aufgebauscht wird. Jeden Tag verhungern auf der Welt hunderte oder tausende Kinder. Regelmäßig sterben im Irak etc. Menschen durch anschläge. Aber das ist traurigerweise normalität in unserem Bewusstsein geworden.
Ich feiere den 11.9 schon seit 1991. Damals kam meine Schwester zur Welt. och so aufgebauscht wird. Jeden Tag verhungern auf der Welt hunderte oder tausende Kinder. Regelmäßig sterben im Irak etc. Menschen durch anschläge. Aber das ist traurigerweise normalität in unserem Bewusstsein geworden.
Ich feiere den 11.9 schon seit 1991. Damals kam meine Schwester zur Welt.
Man darf Tote nicht gegeneinander aufrechnen aber schonmal drüber nachgedacht wie viele Menschen von den USA ausgebombt wurden? Wo ist ihr Jahrestag?
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