Mittwoch, November 25, 2009

Mein Held des Tages

Eigentlich hat er nur einen Knopf gedrückt. Keine große Sache. Doch all die Ereignisse in den Stunden davor haben diese kleine Tat zu einen besonders wichtigen Moment gemacht. Es fing bereits morgens am Münchner Flughafen an, oder besser im Flieger selbst, der wegen starken Sturms in Südengland nicht pünklich abfliegen konnte, weil der Londoner Airport Heathrow das Landungskontingent aus Sicherheitsgründen stark zurückgefahren hatte. So warteten wir also auf die Startfreigabe. Zehn Minuten, 20 Minuten, 40 Minuten. Als es schließlich losging, warnte uns der Pilot bereits vor der wahrscheinlich verzögerten Landung. Flugzeugstau und so. Noch nicht mal den bayerischen Luftraum verlassen hatte ich meinen Termin in London bereits überzogen. Verspätet also in Heathrow gelandet, ging es mit der legendär rüttligen U-Bahn zum Leicester Square. Doch selbst die alle drei Minuten durch die engen Tunnels rauschenden Züge wollten an diesem Tag nicht pünktlich fahren; immer wieder musste meine Bahn zwischendrin halten, um dem zuvor warum auch immer aufgehaltenen Zug genug Vorsprung zu lassen. Verspätung zum Termin: mittlerweile 90 Minuten. Uff. Der Entwicklerbesuch selbst verlief trotzalledem erschreckend planmäßig, was sich gleich wieder bei der Rückreise rächte, die um 19:55 hätte stattfinden sollen. Mit Betonung auf "sollen". Wie für Heathrow üblich verzögerte sich der Start -- erst auf 20:15, dann auf 20:35 und schließlich auf 21:00. Da der Sturm (scheinbar) noch immer tobte, wurden wir abermals in eine schier endlos andauernde Warteschleife geschickt. Die Laune -- schon den ganzen Tag nicht gerade auf der Höhe -- sank mit jeder Viertelstunde. Rückflug. Wackelig. Lang. Ankunft in München: Mitternacht. Genervt, müde und erschöpft schlürfe ich zur S-Bahn. Zwei Minuten noch, bis sie abfährt. Hektisch drücke ich mich durch die bekloppten Menüs des Ticketautomaten. "Hm, ich frag' da mal jemanden", höre ich eine Frau hinter mir in ihr Handy sagen. "Entschuldigung? Brauchen Sie noch ein Ticket in die Stadt? Ich habe eins und mein Mann holt mich gleich ab." Natürlich sage ich zu. Während ich meinen Geldbeutel zücke, linse ich auf die Anzeige. Noch eine Minute. Ticket und Geld wechseln den Besitzer und ich gehe die zwei Schritte zur U-Bahn. In der Sekunde, in der ich die Tür öffnen will, deaktiviert der Fahrer die Automatik, bereit, um loszufahren. Kann das wahr sein? Nach all den Verzögerungen muss ich um die Uhrzeit auch noch mitansehen, wie mir die Bahn vor der Nase wegfährt? Wenn's dicke kommt, dann wohl richtig. Mit einem entnervten Augenrollen drehe ich mich um und will mich setzen. "Da, es geht", ruft mir ein Passant zu. Ich blicke auf die Tür, deren Öffner plötzlich grün aufleuchtet. Der U-Bahn-Fahrer hatte mich wohl im Spiegel gesehen. Und auf den Knopf gedrückt. Mein Held des Tages.

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12 Comments:

At November 25, 2009 6:46 PM, Blogger Headcrap said...

Das erinnert mich irgendwie an meinen ersten Praktikumstag :D

War der Entwicklerbesuch wenigstens gut?

 
At November 25, 2009 6:55 PM, Anonymous Anonym said...

gay?

 
At November 25, 2009 6:55 PM, Blogger Social Hazard said...

Oh man. Naja coole Story. Auch wenn sie voll von Pleiten Pech und Pannen war xD

 
At November 25, 2009 8:06 PM, Blogger n00bert said...

Shit happens. Manchmal einen ganzen Tag lang.

 
At November 25, 2009 9:24 PM, Anonymous Vivi said...

Na dann sei froh, dass du nicht in Berlin warst, Fahrer des ÖPNV hier sind ja berüchtigt. ^___^

 
At November 25, 2009 9:44 PM, Blogger xxxxxxxxxxxxx said...

Es gibt nichts schöneres als Busfahrer, die, wenn du sogar vorne noch an die Tür klopfen, nett grinsen und dann wegfahren. Bei einem Bus der alle halbe Stunde kommt stets eine Freude.

Aber dein Erlebniss bestätigt nur: Es kommt zwar richtig dicke, aber wenigstens eine Sache am Tag geht auch immer gut. Man muss nur lernen, sich über genau die besonders zu freuen.

 
At November 25, 2009 10:12 PM, Anonymous Anonym said...

Glück im Unglück^^

 
At November 26, 2009 3:34 AM, Anonymous Christoph80 said...

In Berlin hat die U-Bahn sogar einmal nachdem anfahren nochmal gebremst und angehalten, um noch jemanden einsteigen zu lassen. Bin im Abteil fast umgefallen wegen der plötzlichen harten Bremsung. Ist aber absolut nicht die Regel. Ich möchte mit den BVG-Piloten nicht tauschen wollen.
Klar ist es nervig, wen einem der Bus vor der Nase wegfährt, aber ich hab auch schon mal ein paar Minuten verbracht, weil alle 15 Sekunden jemand neues angerannt kam und der Busfahrer, weil's wohl ein netter war, immer wieder die Tür aufgemacht hat.

 
At November 26, 2009 7:37 AM, Blogger Philipp Kleidt said...

"Es sind die kleinen Dinge im Leben..." ;)
Immerhin wirst du sicherlich extrem froh gewesen sein endlich vor deinem Bett zu stehen und einfach reinfallen zu können nach einem solchen Tag.

 
At November 26, 2009 9:53 AM, Anonymous Der mit dem Gnu im Schuh said...

Ich hoffe doch, Du hast Deinen Dank auch an den MVV geschickt - mit dem Hinweis, dass die Mail nicht beim Marketing versickern soll, sondern auch der Fahrer informiert wird.

 
At November 27, 2009 12:12 AM, Anonymous Tom_82 said...

Als ehemaliger Fahrer von Straßenbahnen, kann ich nur sagen sehr schöner Eintrag. Man hat oft das Gefühl, die Fahrgäste merken es nicht einmal wenn man noch mal extra die Türen aufmacht. Manchmal wartet man extra, drückt den Öffner damit sie nur noch bei Tür 1 schnell rein hüpfen müssen. Schenkt ein freundliches Lächeln oben drauf und bekommt dann nicht mal ein Lächeln geschweige denn ein Danke zurück. Ist ja schließlich alles selbstverständlich. Ist ja sein Job. Genauso wie es der Job des Fahrgastes ist pünktlich an der Haltestelle zu sein. Über negatives schreiben immer viele, die 100mal bei denen alles Reibungslos verläuft zählen dann nicht mehr.

 
At Dezember 01, 2009 3:10 PM, Anonymous GreenStorm said...

Liest sich sehr schön :)

 

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