Dienstag, November 10, 2009

Schockschwerenot

Teil 2 meiner Top-Listen in Sachen Filme. Diesmal geht's um schockierende, aufwühlende und verstörende Szenen, die nur mit Vorsicht zu genießen sind und die mir gerade deshalb besonders im Gedächtnis haften geblieben sind -- im Guten wie im Schlechten.

Irreversibel: Eigentlich ist der ganze Film ein enorm verstörendes Erlebnis, doch eine Szene in dem rückwärts erzählten Experimental-Thriller ist besonders schockierend: Eine junge Frau, gespielt von Monica Belucci, wird in einer Straßenunterführung verprügelt und brutal vergewaltigt, was der Regisseur in einer minutenlangen Sequenz ohne Schnitt zeigt. Kaum zu ertragen.

Der Exorzist: "Deine Mutter lutscht Schwänze in der Hölle!" brüllt die von einem Dämon besessene Regan, während sie sich immer wieder ein Kruzifix zwischen die blutigen Beine rammt. Auch nach 36 Jahren ist William Friedkins skandalöser Horrorklassiker nur nervenstarken Filmschauern zu empfehlen -- auch und eben wegen jener Szene.

Ken Park: Die heiß diskutierte Sozialstudie vom "Kids"-Regisseur Larry Clark überschreitet mehrfach die Grenze zur pornografischen Darstellung. Der "Höhepunkt" dieses Stilmittels ist eine Szene, in der der Jugendliche Claude -- während er sich zu erhängen versucht -- masturbiert, was der Film bis zum Sch(l)uss in allen Details zeigt.

Flug 93: Oh, es gibt eine Menge unnötiger Filme zum 11. September, doch Paul Greengrass' Dokufiktion ist eine herausragende Ausnahme. Auch wenn man weiß, was passiert, wann es passiert und wie es passiert, jagt mir die Szene, in der das zweite Flugzeug ins World Trade Center kracht, auch beim x-ten Mal einen eiskalten Schauer über den Rücken.

Die Passion Christi: Mel Gibsons so pompöse wie blutgetränkte Holzhammer-Predikt war zurecht einer der am kontroversesten diskutierten Filme der letzten Dekade. Meinen stets in einer Mischung aus Bestürzung und Ekel bestehenden Gesichtsausdruck während der heftigen Kreuzigungsszene möchte ich jedenfalls nicht fotografiert haben.

Saw: Eigentlich sieht man nicht viel, doch die Vorstellung davon, wie sich ein Mensch selbst den Fuß absägt, bedarf keiner drastischen Splatter-Effekte und lässt mich jedes Mal angewiedert die Augen zusammenkneifen.

Philadelphia: Gefeuert wegen Aids. Andrew Beckett fordert Gerechtigkeit, doch kein Anwalt will dem HIV-Infizierten helfen. Als sich auch Andrews einstiger Jura-Rivale und nun letzte Hoffnung Joe Miller gegen ihn entscheidet, tritt er aus dessen Büro auf die Straße, blickt ins Leere und kämpft mit den Tränen. Zehn Sekunden nur dauert dieser von Tom Hanks grandios gespielte Moment, doch er geht mir jedes Mal durch Mark und Bein.

Der Nebel: Frank Darabonts subtil-gruselige Stephen-King-Verfilmung kann man mögen, für ihr mutiges und vom Roman abweichendes Ende muss man sie lieben. Der Ausgang der Geschichte kommt unerwartet und haut zumindest mir mit vollem Anlauf in die Magengrube.

Star Wars Episode 1: aufwühlend, schockierend, verstörend. Jar Jar Binks ist die furchtbarste Gestalt, die jemals eine Autorenfeder verlassen hat.

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22 Comments:

At November 10, 2009 10:47 PM, Anonymous Dowafu said...

ist das jetzt ironie mit star wars 1? ^^

ach ja der nebel. ich dachte ich hab das buch gelesen und kenn alles. tja denkste.

 
At November 10, 2009 10:52 PM, Blogger DasDaniel said...

@dowafu: Jar Jar ging wirklich absolut gar nicht. xD

 
At November 11, 2009 4:43 AM, Blogger Stefan said...

Die Liste bin ich anfangs noch durchaus souverän durchgegangen, doch als Jar Jar Binks aufgetaucht ist, hab ich mich panikartig unter dem Schreibtisch versteckt. Der letzte Star Trek-Film hat gezeigt, wie Episode I hätte sein können. Stattdessen bekamen wir diesen Kinderfilm mit Jar Jar Binks als übles Merchandisingprodukt. Wahrhaft gruselig.

 
At November 11, 2009 4:59 AM, Anonymous Brian said...

"Dear Zachary"(ist zwar eine doku aber geht wohl auch)...als man von dem Selbstmord/Mord, von der Mordbeschuldigten ex-Freundin an ihrem Kind erfähr, das emotional schockierendste, Filmerlebnis meines Lebens...

 
At November 11, 2009 8:25 AM, Blogger Maak said...

meesa no thinkin jar jar bad. jar jar bery bery funny!

*kotz*

 
At November 11, 2009 8:31 AM, Anonymous socke said...

Oder denken wir an David Cronenberg und Filme wie Eastern Promises oder A History of Violence. Bei den beiden Filmen war die Gewaltdarstellung teilweise wirklich krass, auch wenn sie wie ich finde die Story unterstützt haben.

 
At November 11, 2009 8:46 AM, Anonymous Vivi said...

Und genau deswegen ist Saw großartig, während die Produzenten (und nicht die Schreiber, die noch dabei waren) meinten, näher an Hostel zu rücken wäre passender.

Ach ja, Jar Jar. Wer wissen will, wodurch George Lucas wohl inspiriert war:
http://thecinemasnob.com/2009/10/17/brazilian-star-wars.aspx

 
At November 11, 2009 8:50 AM, Blogger Christoph72 said...

Ich finde in "L.A. Crash" - ein Spitzenfilm! - die Szene unheimlich aufwühlend, in der das kleine Kind des Latino-Türschlossers erschossen wird.
Überhaupt ein furchtbarer und furchtbar guter Film insgesamt, weil alle verschiedenen Personen Vorurteile haben und falsch liegen, aber alle so nachvollziehbar handeln, daß einem quasi die Vorwürfe im Hals stecken bleiben.

Und in "Schindlers Liste" die Szene, in der ein knieender Gefangener x Versuche lang wegen einer Ladehemmung der Pistole *nicht* erschossen wird, aber bei jedem Klicken und Knacken denkt man sich, "jetzt fällt der Schuß", wie der Gefangene...

 
At November 11, 2009 9:00 AM, Blogger DasDaniel said...

@christoph: zwei sehr gute Beispiele. :)

 
At November 11, 2009 9:08 AM, Blogger six-nine-suited said...

Da fehlt Funny Games :)

Da ist nicht nur eine Szene, sondern der gesamte Film ziemlich schockierend und verstörend.

 
At November 11, 2009 9:35 AM, Blogger DasDaniel said...

@six-nine: ich habe leider nur das Remake gesehen. Und das fande ich eher... lahm.

 
At November 11, 2009 9:47 AM, Anonymous socke said...

oder clockwork orange ...

 
At November 11, 2009 2:13 PM, Anonymous Anonym said...

Wo ist der "Antichrist" der mit einigen seiner Szenen nicht an übertriebenen Schockszenen geizt?

 
At November 11, 2009 2:29 PM, Blogger devatrox said...

Dazu noch die Vergewaltigungsszene am Anfang von "Der Freie Wille".

 
At November 11, 2009 3:50 PM, Blogger Social Hazard said...

Hm "alle hassen Jar Jar" wäre bestimmt ne tolle Sitcom. Nur müssten man dann die Rechter an Chris Rock bezahlen xD

Aber hast du eigentlich schonmal ne Top 10 der besten Film Soundtracks gemacht? Da wäre bei mir Reservoir Dogs wenigstens unter den Top 3 xD

Oder die traurigsten Momente in einem Film wären auch mal nicht schlecht xD

 
At November 11, 2009 4:42 PM, Anonymous paule said...

1. Was ganz klar fehlt ist Fight Club, mit der EINEN WENDUNG und dem grandiosem Ende!
Plözlich ergibt dieser grandiose Film in jeder hinsicht Sinn
2. Bei Der Nebel musste ich tatsächlich lachen, der Film is eher schlecht aber das Ende, SO BÖSE! Ich muss immernoch grinsen wenn ich mir diese Scenen in errinerung Rufe.
3. Warum haben eigentlich alle etwas gegen Jar-Jar Bings? Das der Film eher ein Kinderfilm ist und auch als solcher gesehen werden sollte, müsste doch jedem klar sein.

 
At November 11, 2009 6:01 PM, Anonymous Pomme said...

Ich bin immer wieder entsetzt, wenn die Menschen, die in Star-Wars-Kostümen in Episode 1 rumhampeln, als Schauspieler bezeichnet werden. Buah.

 
At November 11, 2009 9:32 PM, Anonymous Micha said...

@ Pomme: Naja, Liam Neeson und Ewan McGregor (hmm, ob die beiden so geschrieben werden ;) ) würde ich definitiv nicht als schlechte Schauspieler bezeichnen, der Film hatte definitiv andere Probleme.

@ Paule: Naja, so überraschend fand ich das ganze bei Fight Club nicht mal, da es sich schon ein paar mal angedeutet hatte. Allerdings wäre der Film bei mir vorne dabei bei "die 10 grandiosesten Abschlussszenen". Die einstürzenden Hochhäuser zum Sound der Pixies verpassen mir jedes Mal wieder eine Gänsehaut.

 
At November 12, 2009 5:57 PM, Blogger Chris said...

"schockierende, aufwühlende und verstörende Szenen, die nur mit Vorsicht zu genießen sind und die mir gerade deshalb besonders im Gedächtnis haften geblieben sind"

Und dazu zählt "No Russian" aus Modern Warfare 2 nicht? Weil es ein Videospiel ist?

Kann ich nicht nachvollziehen. Ich persönlich war von der Szene wirklich schockiert (was ja auch erreicht werden soll), verstehe aber nicht, wieso man sich darüber aufregen müsste?! Das isn Thriller und die Inszenierung des Abschnittes is bombastisch. Mir ist es eiskalt den Rücken runtergelaufen, als die Flüge auf "Delayed" schalteten.

Aus Angst vor "Spielegegnern" zensieren und über die Entwickler schimpfen? Auf keinen Fall!

Das ist Kunst - eine Geschichte über Gewalt - und zwar für Erwachsene. So sollte das Thema auch behandelt werden!

 
At November 13, 2009 4:14 PM, Anonymous paule said...

@ Chris
Alles schön und gut, bloss liefern solche "Szenen" den perfekten brandstoff für populistische Politiker die UMBEDINGT Aufmerksamkeit brauchen und wenns erstmal in Deutschland ein Spieleverbot gibt, fangen diese Spö-Heinzis in Österreich auch damit an.

 
At November 15, 2009 3:01 AM, Anonymous Anonym said...

Ich hätte noch zwei anzubieten:

1. Nochmal Crash, aber nicht die schon erwähnte, ebenfalls fantastische Kinderszene, sondern die Unfall-Szene, in der sich sich eine Frau von einem Polizisten retten lassen muss, der sie vorher in gewisser Weise beinahe noch vergewaltigt hat. Das ist filmisch ganz großartig gemacht - und die Musik tut ihr übrigens.

2. Gladiator, als sich Maximus im Colosseum zu erkennen gibt. Dabei ist das Entscheidende Russel Crowes ziemlich unvergleichliche Stimme, die einen für einen Moment die gesamte Verachtung, den Hass und vor allem seinen unglaublichen Schmerz geradezu körperlich spüren lässt. Keine Ahnung, ob das synchronisiert auch so genial ist.

"My name is Maximus Decimus Meridius, commander of the Armies of the North, General of the Felix Legions, loyal servant to the true emperor, Marcus Aurelius. Father to a murdered son, husband to a murdered wife. And I will have my vengeance, in this life or the next."

 
At November 15, 2009 5:54 PM, Anonymous Pomme said...

@ Micha: Im Gegenteil, das sind ganz und gar keine schlechten Schauspieler, da hast du natürlich recht. Das macht ihre Leistung in dem Film aber nur noch unerklärlicher. Von seinen anderen Problemen mal abgesehen.

 

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