
Quentin Tarantino muss sich seit "Pulp Fiction" an seinem eigenen Erfolg messen. Ein Dilemma -- einerseits mit einem oscar-gekrönten Geniestreich in die Filmgeschichte eingegangen zu sein, aber andererseits die Bürde auf den Schultern tragen zu müssen, den zu überbieten. Bislang ist Tarantino das nicht gelungen, auch wenn bis auf "Death Proof" keiner seiner Filme missglückt ist. "Jackie Brown"? Großartig geschrieben und besetzt. "Kill Bill"? Stilsicher und cool. Und nun also "Inglourious Basterds", Tarantinos Interpretation des Zweiten Weltkrieges, des Nazi-Regimes und dessen Untergangs.
Wenn auch verspätet habe ich mir den Film nun angeschaut -- und ich bin äußerst angetan. Alles, was Tarantino ausmacht, steckt in "Inglourious Basterds": eine stimmige Inszenierung, schrullige Charaktere, explizite Gewalt, auf den Punkt geschriebene Dialoge. Ein besonderes Herausstellungsmerkmal ist die fantastische Schauspielerriege. Vor allem Christoph Waltz, der in Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet wurde, beeindruckt als ebenso eloquenter wie bedrohlicher SS-Kundschafter Hans Landa. Auch seine deutschen Kollegen Daniel Brühl und August Diehl liefern eindrucksvolle Leistungen ab. Selbst Til Schweiger überzeugt als wortkarger, knallharter Ex-SSler. Besonders viel schmunzeln musste ich über Brad Pitt, der wegen seines Overactings und des (zumindest in der englischen Originalfassung) überzogenen amerikanischen Akzents jede Szene dominiert.
Wie schon bei "Kill Bill" untermalt Tarantino auch "Inglourious Basterds" beinahe vollständig mit der Musik des legendären Western-Komponisten Ennio Morricone. Selbst die fantastisch geschriebenen ersten Minuten des Films könnten fast 1:1 aus Sergio Leones Italo-Klassiker "Zwei glorreiche Halunken" stammen. Film-Puristen und Blockbuster-Gucker werden das zwar befremdlich finden. Der Stil, den Tarantino zu Beginn seiner Geschichte einführt und zweieinhalb Stunden gekonnt aufrecht erhält, zeigt aber dessen innige Liebe zum Medium und ist ein Fest für Kenner.
Kurzum: Mit "Inglourious Basterds" hat Quentin Tarantino zu alter Größe zurück gefunden. Zwar kommt auch sein sechstes Werk nicht an "Pulp Fiction" heran, dafür bietet es alles, was Fans erwarten. Vor allem wegen der knackigen Dialoge sollten sich aber auch diejenigen ins Kino wagen, die bislang einen Bogen um die Filme des extravaganten Regisseurs gemacht haben. Gibt 4 von 5 Danis.
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