Samstag, August 30, 2008

Zettelwirtschaft

Es muss ein unglaublich undankbarer und frustrierender Job sein, in der Fußgängerzone Zettel zu verteilen, Umfragen und Gewinnspiele zu machen oder jemandem ein Handy, Internet-Anschluss, eine Versicherung oder Waschmaschine zu verkaufen. Zumindest mir geht es tierisch auf den Geist, wenn sich mir jemand in den Weg stellt und mit einstudiertem Grinsen "Haben Sie kurz Zeit?" säuselt. Auch wenn das sicher der Fall ist (hat man es in einer Shopping-Meile doch eher selten eilig), lüge ich jedes Mal, dass es gerade in diesem Moment arg unpassend sei. Ich meine, was soll das auch? Will ich einen DSL-Vertrag, gehe ich in einen dementsprechenden Laden. Umfragen, zu was auch immer, bringen auch nur mit immensen Teilnehmerzahlen und sinnvoll zusammengestellten und ausgewerteten Fragen etwas. Und Gewinnspiele? Als ob da außer Werbung je was mitzunehmen wäre. Ich hab mir schon angewöhnt, in der Münchner Kaufingerstraße weite Strecken mit dem Handy am Ohr entlang zu gehen. Dann wird man wenigstens nicht angequatscht.

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Donnerstag, August 28, 2008

Steuerprobleme

Ich möchte jetzt nicht als Chauvinist oder sonstwie als intolerant beschimpft werden, aber wenn ich Frauen vor mir auf dem Rad näher kommen sehe, bekomme ich es immer mit der Angst zu tun. Das hat weniger mit dem Geschlecht ansich zu tun, als viel mehr an den Rädern, die Frauen in der Regel benutzen. Durch deren leicht andere Bauweise fahren Frauen viel aufrechter als wir Männer, besitzen deshalb einen höheren Schwerpunkt und radeln deshalb offenbar instabiler. Das zeigt sich schon beim Losfahren an der Ampel, wenn direkt nach dem Aufsteigen erstmal wild von links nach rechts nach links gelenkt wird, um das Rad zu stabilisieren. Und selbst, wenn der Weg schnurstracks geradeaus führt, ist das Überholen eine riskante Angelegenheit. Wenn dann noch hoffnungslos überladene Fahrradkörbe dazu kommen, die gerade mal mit einem Spanngurt befestigt sind... hat man dann doch irgendwie chauvinistische, ja intolerante Gedanken.

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Dienstag, August 26, 2008

Übermütig

Ist man einmal für einen Monat nicht da, werden die Praktikanten und Trainees übermütig. Ein Monat, in dem ich mein Büro nicht verteidigen konnte -- und es fehlt alles. Mein Xbox-360-Gamepad, mein Logitech-Gamepad, meine Schere, mein Lieblingskugelschreiber, mein Rotstift (und ich werde deren Texte trotzdem korrigieren!), ja, sogar mein von Markus Schwerdtel geerbter Chefsessel. Und wo finde ich das alles? Bei Praktikant Christian und Trainee Philipp. Keine Werte mehr die Jugend...

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Sonntag, August 24, 2008

Zu viel Zeit

So, nun ist sie vorbei, die unfreiwillige Arbeitslosigkeit. In den vier Wochen hatte ich so viel vor, nichts davon bekam ich auf die Reihe. Japanisch lernen? Mehr als Kapitel 1 hab ich nicht gemacht. Für die Reise im nächsten Jahr recherchieren und diese planen? Nach zehn Minuten aufgegeben. An meinem Drehbuch weiterarbeiten? Geöffnet, drüber gelesen, wieder geschlossen. An Zeit hat es wahrlich nicht gemangelt, wohl aber an der Motivation. Hat man nichts zu tun und hängt zwangsweise nur zuhause rum, verfällt man in einen gefährlichen Trott, bringt die Unmengen an Stunden höchstens mit lapidarem Zocken, Filmgucken, Lesen hinter sich -- Zeitvertreib eben. Kreativ oder konstruktiv tätig werden fällt hingegen schwer.
Und ab nächster Woche, wenn mich meine Arbeit wieder auf Hochtouren bringt, fehlt wiederum die Zeit -- für's Japanisch lernen, das Recherchieren, das Drehbuch.
Eine Krux.

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Knapp daneben

Ich stelle mein Glück nie auf die Probe -- vor allem nicht, wenn es etwas kostet. Sprich: Lotto ist nicht so meins. Wenn aber 12 Millionen zu holen sind, greife auch ich mal zum Stift und mache ein paar Kreuzchen. Nach der heutigen Ziehung weiß ich allerdings, warum ich eigentlich nicht spiele. So konsequent eine Stelle vor oder hinter der gezogenen Zahlen zu tippen, ist wahrlich eine Kunst...

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Donnerstag, August 21, 2008

Gute Besserung

Fäden direkt oberhalb des Hinterns gezogen zu bekommen ist der sprichwörtliche Pain in the Ass. Als ob da jemand Haare einzeln rauszieht, die mit einer Riesenwurzel in der Haut stecken. Wenigstens ging mit dieser Tortur meine offizielle Genesung einher. An dieser Stelle auch vielen Dank für eure Anteilnahme an meiner Situation. Nun, ab Montag hat mich also der Alltag wieder -- endlich! Zeit, um die letzten vier Wochen kurz revue passieren zu lassen:

- Drainagen-Flaschen, die man 24 Stunden lang mit sich herum tragen muss, sind unappetitlich und echt kein Spaß
- egal wie atmungsaktiv sterile Verbände sein mögen, nach einem Monat streikt selbst die hartnäckigste Haut und revangiert sich mit fiesen Rötungen und noch fieseren Ausschlägen
- im Schnitt habe ich bei meinen allzweitäglichen Terminen 75 Minuten im Wartebereich des Klinikums verbracht -- obwohl der Verbandswechsel selbst jedes Mal nach fünf Minuten erledigt war
- einen Tag von 7:00 bis 21:00 Uhr nüchtern zu verbringen, ist eine "interessante" Erfahrung
- auf zwei Vollnarkosen innerhalb von zwei Wochen hat ein Körper offenbar keine Lust und bedankt sich mit ohnmachtsähnlichen Kreislaufausfällen und Essen, das einem sofort wieder durch den Kopf geht
- wenn man an einen Punkt kommt, an dem man eine unangenehme Geschichte endlich abgehakt wissen will, vergisst man sogar ein wenig die tief sitzende Spritzen-Phobie. Nächste Woche freiwillig Blutspenden gehe ich deswegen aber noch lange nicht.
- die wegen meiner zeitweiligen Unbeweglichkeit ungelenke und unbequeme Art Treppen zu steigen muss ich mir nun erst wieder abgewöhnen
- Zitat Fabian: "Jetzt haste ne Narbe, jetzt biste ein Mann!" - Aber musste das Ding gleich zehn Zentimeter lang sein? Zweites Zitat von Fabian: "Yeah!"
- 1.900 Gamerscore. In vier Wochen. Mit fünf Spielen. Gar nicht ganz schlecht...
- unfreiwilliges Aufstocken der eigenen Haus-Apotheke mit Verbänden, Pflastern, antibakteriellen Salben, Desinfektionsspray und Schmerzmitteln abgeschlossen -- was soll ich jetzt nur mit all dem Zeug...?

Was jetzt folgt? Ein episches Frühstück, ein langer Spaziergang in der Sonne -- und das Lesen und Löschen von 738 Geschäfts-Mails.

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Dienstag, August 19, 2008

Klimaschock

Ein Wohnzimmer mit großen Fenstern und massenhaft hitzeproduzierender Technik zu haben, ist in einem Sommer wie diesem irgendwie kein Spaß. Zumal diese ständigen Schauer die Temperatur nicht senken, wie sie es eigentlich sollten, sondern nur die Luftfeuchtigkeit erhöhen -- was das Ganze noch unangenehmer macht.
*Ventilator auf Orkan-Stufe stell*

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Montag, August 18, 2008

Trash-King

Ich halte Quentin Tarantino für einen der besten Regisseure unserer Zeit. Gut, bei diesem asiatischen Trash-Western hier spielt er zwar "nur" mit, eine gewisse Ähnlichkeit zu seinen eigenen Werken kann man "Sukiyaki Western Django" dennoch nicht absprechen. Wie cool wird dieser Film bitte?

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Sonntag, August 17, 2008

Der hat doch geübt

Michael Phelps ist eine Flasche! In acht Disziplinen nebst ebenso vielen Goldmedaillen bei den olympischen Spielen in Peking hat der 23-jährige US-Amerikaner nur sieben Mal den Weltrekord gebrochen. Nichtskönner!
Jetzt aber mal im Ernst: Respekt! Der Typ ist zurecht schnurstracks in den Athleten-Olymp geschwommen. Das muss man erstmal nachmachen.

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Freitag, August 15, 2008

Was'n Salat

Kabel haben ein heimtückisches Wesen. Immer des Nachts, wenn keiner hinsieht, bilden sie Knoten, vermengen sich zu einem chaotischen Wust, verdrehen und verzwirbeln sich bis zum Gehtnichtmehr. Selbst, wenn man einen iPod feinsäuberlich ablegt, kann man sicher sein, dass sich die Kopfhörer am nächsten Morgen hoffnungslos verknotet haben. Gemeines Pack, diese Kabel.

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Donnerstag, August 14, 2008

Spektakulär unspektakulär

Drei Wochen am Stück krank geschrieben und noch kein Ende in Sicht. Erstaunlich, wie schnell einem das (erzwungene) Faullenzen auf den Nerv geht. Das einzige, was sich in dieser Zeit getan hat, ist wohl mein Gamerscore -- aber selbst stundenlang zu zocken und Filme zu gucken macht auf Dauer irgendwie keinen Spaß, wenn man an seine Bude gefesselt ist. Immerhin setzt der Sommer derzeit ein wenig aus, weshalb man all den sonnenden Spaziergängern und Radfahrern nicht neidvoll vom Balkon aus zuschauen muss. Aber ach, eigentlich will ich mich nur ein wenig beklagen, um einen Blogeintrag zu schreiben -- denn wegen dieser ganzen Geschichte mangelt es hier an Geschichten. Hoffentlich ändert sich das bald...

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Mittwoch, August 13, 2008

Widergespiegelt

spielt gerade: "Rock Band", "Der Herr der Ringe Online", "Flatout UC"
hört gerade: Amaseffer "Slaves for Live"
sieht gerade: die olympischen Sommerspiele
liest gerade: "Die zwei Türme", mal wieder
isst gerade: Tortellini carbonara
trinkt gerade: Augustiner Helles
freut sich auf: die hoffentlich baldige Genesung
ist genervt von: der noch nicht eingetretenen Genesung
spart gerade auf: eine private Krankenversicherung

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Montag, August 11, 2008

Zweiter Anlauf

25. Juli 2008. Die Geschichte mit den beiden jungen Anästesistinnen. Ich habe sie nicht vergessen. Und für morgen bin ich vorbereitet, noch vor dem abrupten Tiefschlaf einen Flirtversuch zu starten. Hoffentlich haben sie überhaupt Dienst. Wobei... die Beziehung wäre wohl arg vorbelastet. Wer mich mit Spritzen bearbeitet, hat von vorneherein verloren. Denk ich.

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Samstag, August 09, 2008

Arzt-Witze

Ich wusste gar nicht, dass Ärzte Humor haben können. Wobei... mit Humor ist das ja so ne Sache. Beim gestrigen Routine-Check meines Steißbeins und Festlegen des neuen OP-Termins bin ich auf gleich zwei Exemplare dieser "humorvollen" Spezies gestoßen.
Zum Beispiel der Anästesist: "Hey, heute ist ja der 8.8.2008. Sie hätten heiraten sollen, statt hier im Klinikum rumzuhocken und mit einem Anästesisten über die Risiken einer Vollnarkose zu sprechen."
Aha.
Dann der Chirurg beim Wechseln meines Verbandes: "Nun, wenn Sie das jetzt vernähen lassen, statt es monatelang so verheilen zu lassen, könnten Sie sich immerhin noch als Po-Model aufstellen lassen."
Aha.

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Freitag, August 08, 2008

System of a Game

Ich muss mich kurz mal freuen. Freuen darüber, dass es endlich "Toxicity" und "B.Y.O.B" von "System of a Down" als Download-Songs für "Rock Band" gibt. Die kann man im Experten-Modus zwar nichtmal ansatzweise spielen/singen/trommeln, geil ist das Ganze aber trotzdem. Und nun wieder zurück zum Tagesgeschehen...

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Mittwoch, August 06, 2008

Selfmade & -eat

Weil es an dieser Stelle von euch gewünscht wurde, verrate ich nun doch mein Rezept für knusprige Wan Tans (Chili-Hackfleisch & Meeresfrüchte). Die Zutaten sind leicht zu beschaffen, auch die Zubereitung ist nicht schwer -- allerdings ist das Ganze recht zeitaufwändig. Was ihr braucht (für 4 Personen):









- 50 Wan-Tan-Teigplatten (gibt's im Kühlregal eines jeden gut sortierten Asia-Shops)
- 250g Hackfleisch (gemischt oder vom Rind)
- 100g Krabben
- 100g Krebsfleisch oder Garnelen
- 1 getrocknete oder frische Chili-Schote
- 1 Knoblauchzehe
- Salz & Pfeffer
- Zitronensaft
- Öl zum Frittieren (Sonnenblumen- oder Sojaöl)

Die Wan-Tan-Platten auftauen lassen und auf der Arbeitsfläche ausbreiten. Vorsicht: Es gibt zweierlei Sorten -- für Suppen und zum Frittieren. Chili-Schote und Knoblauch fein hacken und unter das Hackfleisch mischen, mit Salz und Pfeffer würzen. Krabben und Krebsfleisch ebenfalls kleinschneiden und mit etwas Zitronensaft und Salz abschmecken. Kleine Portionen der beiden Mischungen in die Mitte der Teigplatten setzen -- entweder mit einem Teelöffel oder den Fingern. Die Ränder der Platten mit lauwarmem Wasser bestreichen (dient als "Klebstoff"), dann die jeweils diagonal gegenüber liegenden Ecken aufschlagen und in der Mitte zusammendrücken, so dass eine Tasche entsteht. Das klingt kompliziert und ist anfangs auch etwas übungsbedürftig, aber mit der Zeit geht das schon ;-). Vorsicht mit den Teigplatten; die reißen schnell. Wer Wan Tans für eine Party vorbereiten will, kann die Dinger problemlos morgens basteln und mehrere Stunden im Kühlschrank lagern. Am selben Tag sollten sie dennoch verzehrt werden. Für's Zubereiten entweder die Friteuse oder einen Wok hernehmen, das Öl erhitzen und die Wan Tans darin maximal fünf Minuten goldbraun brutzeln. Mit süßsaurer Chili-Sauce servieren -- fertig!

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Dienstag, August 05, 2008

Babylon A.D.

Ich habe es nicht sonderlich mit Fremdsprachen. Gut, Englisch -- klar, immerhin brauche ich das in meinem Beruf sehr häufig, weshalb zwangsläufig eine gewisse Praxis aufkommt. Aber sonst? In fünf Jahren Schul-Französisch habe ich stets um meine 4 kämpfen müssen -- manchmal sogar um... aber ach, lassen wir das. Fremde Grammatik lernen, Vokabeln büffeln, das ist alles nicht so meins. Trotzdem oder gerade deshalb beiße ich jetzt mal in den sauren Apfel und probiere mich an Japanisch. Zugegeben, für den Einstieg nicht gerade die cleverste Wahl, gehören zu der japanischen Sprache ja auch die japanischen Schriftzeichen. Aber wenn ich im nächsten Jahr das Land der aufgehenden Sonne besuchen will, sollte ich ja immerhin ein Bier bestellen können...

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Montag, August 04, 2008

Auf dem Strich

Linerider, eine Internet-Spielerei, die fast schon legendäre Züge angenommen hat. Man zeichne ein paar Striche auf eine leere Seite und lässt einen sauber animierten Schlittenfahrer drüber brettern -- dank physikalisch nachvollziebarer Schwerkraftberechnung ein Riesenspaß. Und Quell unzähliger, teils spektakulärer Videos von Leuten, die offenbar zu viel Zeit haben.

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Sonntag, August 03, 2008

Zu günstig

Amazons Regel, Artikel, die über 20 Euro kosten, ohne Versandkosten zu verschicken, ist großartig -- und wird von mir laufend genutzt. Ist ja normalerweise auch kein Problem, kosten Spiele und Blu-ray-Filme eh meist mehr. Doch jetzt stehe ich vor einem Problem: Eine gewünschte CD kostet 15,99 Euro -- zu wenig also, um den Gratis-Bringdienst in Anspruch nehmen zu können. Jetzt steht das Schwabenherz vor einer folgenschweren Entscheidung: Zahlt es das Porto oder bestellt es noch etwas, das es nicht wirklich braucht, zusätzlich zu der CD, um die 20-Euro-Grenze zu überschreiten?

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Freitag, August 01, 2008

Wall-E

Wenn eine kleine weiße Schreibtischlampe über die Leinwand hüpft und das »I« eines Firmenlogos platt stampft, weiß man sich die nächsten zwei Stunden bestens unterhalten. Denn das Maskottchen des kalifornischen Filmstudios Pixar ("Findet Nemo", "Die Unglaublichen", "Ratatouille") steht seit seinem ersten Auftritt in "Toy Story" (1995) für herausragende Animationsfilme – wegweisende Technik, liebevolle Charaktere und Geschichten, die alle Altersgruppen gleichermaßen ansprechen. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an Pixars neu(nt)en Film -- und sie wurden nicht enttäuscht.

700 Jahre in der Zukunft ist die Erde entvölkert. Irgendwann sind alle abgehauen, mit einem riesigen Kreuzfahrt-Raumschiff davon gedüst und haben einen riesigen Müllberg hinterlassen. Um den kümmert sich Wall-E, ein kleiner Roboter, der tagein tagaus die leergefegte Welt säubert und einsam vor sich hin lebt. Doch das soll nicht so bleiben. Mehr möchte man an dieser Stelle nicht verraten, steckt "Wall-E" doch voller netter Charaktere und Überraschungen. Überhaupt ist es Pixar einmal mehr gelungen, einem Haufen Metall mehr Leben einzuflößen, als es anderen Animationsfilmen nicht mit dutzenden Figuren gelingen mag. Der kleine Roboter verzückt von der ersten Minute an durch seine Neugier, seine skurrile Freundschaft mit einer Küchenschabe und seinen Traum, mehr zu sein, als nur ein Recycling-Werkzeug. Vor allem der fantastischen Animation verdankt es der niedliche Blechbursche, dass es ihm trotz fehlender Mimik und Sprache nicht an Emotionen mangelt. Im Gegenteil: Selten konnte ich mit einer CGI-Figur so mitfühlen, mit ihr lachen, mit ihr trauern -- ein Kunststück!

Überhaupt, die Technik: Mit "Wall-E" setzt Pixar die Messlatte für künftige Animationen erneut ein ganzes Stück nach oben. Details, Beleuchtung, Kameraführung und Schnitt sind herausragend und dürften der zurecht erfolgsverwöhnten CGI-Schmiede im Frühling 2009 den siebten Oscar für einen abendfüllenden Animationsfilm bescheren. Insbesondere das ein wenig an "I am Legend" erinnernde Endzeit-Szenario in der ersten halben Stunde ist den Designern hervorragend gelungen und sieht täuschend echt aus. Dass man trotzdem keine übersteigerte Realismus-Optik zu befürchten hat, verdankt "Wall-E" seinen comichaft gestalteten Charakteren, der Slapstick-Action und reichlich bunten Effekten – eine grafische Gratwanderung, die Pixar vorbildlich meistert.

Aller Technikspielereien zum Trotz ist es dennoch die Geschichte, die einen Film trägt. Auch hier macht "Wall-E" alles richtig und schickt seinen blechernen Protagonisten in ein ebenso temporeiches wie interessantes Abenteuer -- Leerlauf gibt’s in den über zwei Stunden Spielzeit keinen. Mit besonderem Augenzwinkern betrachtet Pixar dabei die Menschheit, wie sie in 700 Jahren existieren könnte: fett, aufgedunsen und nicht mehr fähig, selbstständig zu laufen, bewegen sich die zu faulen Medienkonsumenten mutierten Menschen in schwebenden Fernsehsesseln durch die Gegend und lassen sich von Robotern bedienen – eine nicht ganz subtile Gesellschaftskritik (an der westlichen Welt), die Pixar mit viel Humor zu präsentieren weiß, weshalb "Wall-E" lockere Unterhaltung bleibt, ohne gleich zur Lehrstunde zu verkommen.

Kurzum: Pixar wird mit jedem Mal besser. Schon "Ratatouille" hat als erster Animationsfilm zu Recht eine Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch bekommen. Warum? Weil die Kalifornier trotz aller Technik-Meilensteine stets Wert auf gute Geschichten legen und ihre Filme mit Liebe und Leben zu füllen wissen. "Wall-E" ist hierbei ein Paradebeispiel und sollte Fließband-Projekten wie "Shrek 3" oder "Madagascar" eine Lehre sein. Ein hervorragender Film, optisch wegweisend, temporeich und mit viel Humor erzählt -- ein launiges Abenteuer für Jung und Alt. Gibt von mir fünf von fünf Danis.

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